Otherland-Newsletter 2026 #05

Man sagt alle Flüsse fließen ins Meer, aber manchmal steht die Welt Kopf und dann wollen die Flüsse nur noch an den schönsten Ort der Welt fließen - das Otherland!

Man sagt alle Flüsse fließen ins Meer, aber manchmal steht die Welt Kopf und dann wollen die Flüsse nur noch an den schönsten Ort der Welt fließen - das Otherland! Dort, wo wir uns in den wogenden Weiten der Literatur treiben lassen, von düsteren Dystopien zu Solar Punk, Utopien, Cozy Fantasy, Grimdark und Bodyhorror. Denkt an die schaurig schöne Szene aus Stephen Kings „Es“ wo eine ganze Welle aus Ereignissen durch ein kleines Papierboot ausgelöst wird, dass sich von einem spontan entstandenen, kleinen Bach in einen Gulli treiben lässt…und direkt in die Hände des titelgebenden Bösewichts. Wo könnten Flüsse sonst noch so hinführen? Im kleinen Hobbit von Tollkien schaukeln sich beispielsweise 9 Fässer unverzollt von A nach B, der Inhalt ist aber nicht das, was draufsteht. Täuschen können aber auch Monster und welche sich in Gewässern tummeln könnten, erkundet Christopher Buehlmann in „Between two Fires“. Ich will nicht Spoilern aber planschen würde ich in dieser perstilenzheimgesuchten Hölle auf Erden sowieso nicht. Bei George R. R. Martins „Fevre Dream“ schwimmen die Monster (oder?) oben und zwar auf einem Mississippi Dampfer, durch den unangenehmen Süden der USA um die Jahrhundertwende. Vampire finde ich ja eigentlich immer super, aber hier ist alles bisschen schlecht gealtert und der Lesegenuss schmeckt bisschen abgestanden. Algernon Blackwood hat übrigens tragischen Helden nicht nur Wendigos gegenüberstehen, sondern auch die Donau runterpaddeln lassen. Wie gruselig so ein Fluss sein kann, erzählt er kunstvoll in „the Willows“. Wenn man schon von „Willows“ spricht, kenneth Grahame (Genau der, von dem die ganzen Toad memes abgleitet wurden!) hatte eine fast schon magische Weise Wasser zu beschreiben:

"Never in his life had he seen a river before – this sleek, sinuous, full-bodied animal, chasing and chuckling, gripping things with a gurgle and leaving them with a laugh... All was a-shake and a-shiver – glints and gleams and sparkles, rustle and swirl, chatter and bubble... a babbling procession of the best stories in the world, sent from the heart of the earth to be told at last to the insatiable sea.”

Es fließt aus meinen Augen, so schön ist das. Carooo ignoriert meine Schmach und wirft ein, dass unbedingt noch Gogmagog und Ludluda von Jeff Noon und Steve Beard mit aufgenommen werden muss! Und Recht hat sie, Flüsse sind hier ein Hauptteil der Handlung! Auch erwähnenswert: „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch (Hier haben Flüsse nämlich Persönlichkeiten und Kinder und Kindeskinder, die sich alle Naselang in die Handlung mit einmischen) sowie Guy Gavriel Kay mit „Am Fluss der Sterne“ - was für ein wunderschöner Titel.
So und jetzt fließen wir einmal wieder zur Quelle zurück, denn wofür werden Flüsse in unserem Namensgeber „Otherland“ von Tad Williams genutzt? Genau um von Realität zu Realität zu schippern. So wie bei uns auch.

Ein fröhliches planschen wünscht euch,
Esther aus dem Otherland (Buchladen)